Marlene

von Hanni Münzer

"Marlene" ist der Fortsetzungsroman von "Honigtot". Habe zwar den 1. Band noch nicht gelesen und musste mich deshalb phasenweise aufgrund der vielen unbekannten Namen etwas orientieren. Dies hat mich jedoch nicht daran gehindert, gleich in die Geschichte einzutauchen.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und lädt den Leser ins Geschehen ein.

Auch wenn man, wie ich, nicht so viel Ahnung der damaligen Vorgänge hat, ist es durch die Darstellung und Erläuterungen ein Leichtes, die Hintergründe und Zusammenhänge zu begreifen.

Fiktion und Realität verschwimmen von Anfang bis Ende mitreissend und -fühlend gekonnt ineinander.

Die Charaktere werden authentisch und zum-Greifen-nah dargestellt. Die Beweggründe der einzelnen Personen im Einklang mit dem geschichtlichen Hintergrund sind gut nachvollzieh- und greifbar.

 

Das Buch handelt von Marlene, die im hohen Alter ihr Leben in Form eines Buches reflektiert. Sie erzählt, wie sie die harte Zeit des 2. Weltkrieges erlebt hat, mit welchen Menschen sie in Beziehungen stand und warum. Auch werden die Auswirkungen des Krieges auf das Leben danach und auch auf die nachfolgenden Generationen deutlich. Die Veränderungen, die jeder Einzelne dadurch erlebt, sind gravierend. Hier wird der Krieg von Seiten einer Spionin und deren Vorgehensweisen erläutert. Dies ist insofern äußerst aufschlußreich und interessant, da man die Zusammenhänge aus anderen Blickwinkeln erfassen kann.

 

Die Machtspiele, die immer wieder gelungen erläutert werden, wirken authentisch und lassen den Leser mitfiebern. Menschliche Gedanken, deren Antrieb und Begierden werden vortrefflich klar und deutlich dargestellt.

Hier wird aufgezeigt, was und wie der Krieg was aus Menschen machen kann.

 

Sehr gelungen sind ebenfalls die zahlreichen Kurzinfos oder, wie im Buch auch "Kriegssplitter" genannt, meist in Form von Aussagen, Gedichten Liedern etc. pp., die den jeweiligen Kapiteln vorangestellt sind. Dadurch wird die reale Kriegsmaschinerie und das -geschehen nochmal so deutlich.

 

Was dieses Buch auch zu verstehen gibt ist, dass auch wenn einem der Lebensmut aufgrund der verheerenden Umstände verlassen mag, der Glaube an eigene Überzeugungen, Liebe und Zusammengehörigkeit einen diesen Mut und die Hoffnung schenken, weiter zu machen.

 

Marlene ist in meiner Welt phänomenal angekommen und ich konnte dem Wunsch der Autorin, dass ich in das Buch eintauche, voll und ganz gerecht werden.

 

Mein Fazit: Dieses Buch ist für mich "ganz großes Kino" und Geschichtslektion in Einem.