Die Venezianerin und der Baumeister von Gudrun Lerchbaum


Der historische Roman spielt in Italien von 1526 bis 1547 und zeigt Ausschnitte aus dem Leben des Architekten Andrea Palladio.

Er wird hier dargestellt, dass er voll und ganz in seiner Liebe zur Architektur aufgegangen ist und Familie oder dergleichen nur eine Nebenrolle spielten. Aber, dies wird sicherlich zu damaliger Zeit der Normalfall gewesen sein. So nach dem Motto: Der Mann sorgt fürs Überleben, die Frau ist für den Haushalt und die Kindererziehung....zuständig.

Diese Einstellung wird durch ein Zitat aus dem Buch (S. 387) nochmal in Kürze dargestellt:

"Sie konnte nicht erwarten, dass er sein ganzes Leben auf die Bedürfnisse der Familie abstellte. Was waren Haushalt und Kinderkram gegen die ewige Schönheit und Wahrheit der Kunst und das kühle Licht sonnenbeschienenen Marmors."

 

Der Schreibstil Gudrun Lerchbaums hat mich anfangs bis zum zweiten Drittel hin gefesselt. Dort hat mir kurzzeitig etwas die Tiefe zum Geschehen gefehlt. Dies hat sich jedoch wieder in einen gut zu lesenden Schluss entwickelt.

Die wahrscheinlich damals vorherrschenden Emotionen und Stimmungen hat die Autorin mit ihrer Schreibtechnik  nachvollziehbar rübergebracht.

 

Die Protagonistin Mariangela wird fast zeitlebens von ihrer Ziehschwester Allegra und auch von Andrea ausgenutzt. Sie lässt es mit sich geschehen, weil sie den beiden aufgrund ihrer Lebensumstände dankbar oder sogar fast hörig ist. Ausserdem spielt die Liebe hier auch eine tragende Rolle.


Es zeigt auch klar, dass es früher vor allen Dingen darum ging, zu überleben und dafür eben das passende Gegenstück gefunden werden musste und die Liebe sicherlich oft nicht ausschlaggebend für Eheschließungen war.

 

Mein Fazit: Die Liebe ist oft trügerisch