Die Kleidermacherin

von Núria Pradas

Der Schreibstil vermittelt eine gewisse Melancholie, die den Inhalt gekonnt in Szene setzt.

Diese Familiengeschichte rund um das Traditionshaus Santa Eulalia weist einen gut gelösten Spannungsbogen auf.

Meine Meinung zur Schilderung der Charaktere ist zweigeteilt, denn 2/3 des Buches war ich eher Zuschauer als mit dabei. Dies hat sich dann zum letzten Drittel bis zum fulminanten Schluss voll und ganz geändert. Hier wurden die Charaktere so geschildert, dass ich mich in deren Lage hineinversetzen konnte und ins Geschehen involviert war.

Bis zur Hälfte des Buches haben mich die oftmals ruckartigen Zeitsprünge oder auch die Wechsel der unterschiedlichen Geschehnisse zu den verschiedenen Personen etwas aus dem Lesefluss gerissen. Dies hat sich dann ab Mitte des Buches ebenfalls geändert.

Die politischen Gegebenheiten und deren Auswüchse wurden gut ins Geschehen verknüpft und waren so detailreich erläutert, dass man sich ein gutes Bild davon machen kann.

Es wurden vielerlei Schicksale aus unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten dargestellt, die auch hier gut die Gepflogenheiten von damals widerspiegeln.

Ebenso verhält er sich zu den Vorgehensweisen zu Modeinspirationen und deren Umsetzung und zum Verlauf des Modehauses Santa Eulalia. Die interessanten Informationen werden gut ausgeschmückt ins Geschehen involviert.

Das Buch spielt sich von Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts ab und zeigt das Leben während dieser aufrührerischen Zeit. Vor allen Dingen dreht es sich um das Textilhaus Santa Eulalia und dessen Angestellten rund herum. Fiktion und Wirklichkeit der Irrungen und Wirrungen, die in der Welt allgemein und auch in der Welt des Textilhauses vor sich gehen, werden optimal ineinander verwoben und geben ein umfassendes Bild ab.

 

Mein Fazit: ein etwas schwerfälliger Beginn, bei dem sich das "Dranbleiben" lohnt, denn die Infos und die Geschichte sind wirklich lesenswert