Der Frauenchor von Chilbury

von Jennifer Ryan

Das Cover weist hervorragend auf den Inhalt hin und ist von der Farbgebung und der Darstellung stimmig gewählt. Passender hätte es nicht sein können.

 

Dieser Debütroman hat mich voll und ganz gefesselt und ich hoffe auf mehr Lesestoff der Autorin, denn die Vielfalt, Authentizität und Lebendigkeit macht süchtig.

Sie hat die Inspirationen durch ihre Großmutter in ein vielschichtiges und wertvolles Werk verwandelt.

 

Hier wird der Spagat zwischen teilweise humorigen Darstellungen und der Kriegsgeschichte und dem drumherum gekonnt gemeistert.

 

Durch die Erzählweise, die Vorgänge durch Tagebucheinträge, Briefe, Notizen und dergleichen der Mitwirkenden Stück für Stück zu erzählen, ist die Geschichte äusserst lebhaft und zeigt vielerlei Einblicke durch´s Schlüsselloch. Da die "Erzähler" in unterschiedlichsten Altersgruppen und aus verschiedensten Lebensbereichen stammen, gibt das Ganze ein sehr buntes und vollständiges Bild ab.

Der Autorin ist es gelungen, die Erzählstimmen kindlich, unschuldig, naiv, dreist, undurchschaubar, infam, berechnend, intrigant, manipulativ, liebevoll, fürsorglich und noch nach vielen weiteren Wesensarten klingen zu lassen und jede Stimmung nimmt man den einzelnen Personen in Gänze ab.

 

Lokalkolorit vom Feinsten, der eben auch aufzeigt, wie sich Hinz und Kunz mit- oder auch gegeneinander das Leben schwermachen können. Und das häufig mit ironischen Spitzen untermalt, die einem ein Lächeln entlocken. Da kann man sich gut hineinversetzen und die ein oder andere Szene kommt sicherlich dem ein oder anderen Leser so oder so ähnlich bekannt vor. Feinsinniger Humor und auch Ironie, die nicht in Sarkasmus übergeht, also genau richtig dosiert.

 

Hoher Informationsgehalt, der ganz locker-lässig rüberkommt und nichts schulmeisterliches innehat. Amüsant und geistreich trotz des ernsten und traurigen Themas Krieg und den damit verbundenen Gefühlen und Nöten. Dieses Buch gibt Mut und macht Hoffnung, denn trotz der schweren Zeit wird aufgezeigt, dass Zusammenhalt, auch mit kleineren oder auch größeren Querelen, eine wichtige Stütze des Lebens sein kann.

 

Es wird Spannung aufgebaut und der Spannungsbogen wird von Anfang bis Ende konstant hoch gehalten. Überaus gekonnt weiß die Autorin immer wieder kleine Hinweise einzuflechten, die den Leser neugierig machen jedoch nicht zu viel verraten. Genauso viel als nötig und doch unvorhersehbar.

 

Die Gesellschaftsnormen werden durchleuchtet und auch gelungen in Frage gestellt.

 

Mein Fazit: von der ersten bis zur letzten Seite ein Lesegenuss und hochinformativ zugleich